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Schweizer Bank vom 21.01.2010 Karl-Heinz Goedeckemeyer, 5107 Zeichen |
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| Finanzplatz München: Aus der Traum |
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| Die Fälle HypoVereinsbank, Hypo Real Estate, BayernLB, Hypo Alpe Adria und Dresdner Bank: Der Finanzplatz München ist ein einziger Scherbenhaufen – allerdings keineswegs unverschuldet. |
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Noch 2001 träumte man am Finanzplatz München davon, Frankfurt den Rang abzulaufen. Damals hatte die Allianz Versicherung die Dresdner Bank übernommen. Die Vereinsbank sowie die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank waren frisch zur HypoVereinsbank (HVB) fusioniert und hatten sich die Bank Austria einverleibt. Doch die Freude währte nur kurz. Die Aktionen waren schlecht vorbereitet und wenig weitsichtig ausgeführt.
Hartnäckige Altlasten
Nun sind die Zeiten, in denen der Finanzplatz München mit grossen Namen glänzen konnte, vorbei. Mit den Beinahe-Zusammenbrüchen der Hypo Real Estate und der BayernLB und dem Ende des Dresdner-Bank-Abenteuers der Allianz sind die Bankenträume wie Seifenblasen zerplatzt. Eine Mischung aus Grossmannsucht und Missmanagement war Schuld, übriggeblieben sind nur Verlierer. Altlasten ziehen sich durch ganze Generationen von Münchner Banken. Ein Beispiel dafür sind die HVB und die später abgespaltete Hypo Real Estate (HRE). Letztere war eigentlich nichts anderes als die «Bad Bank» der HVB, in welche die HVB ihr Immobilienportfolio eingebracht hatte. Bis heute ist nicht nachvollziehbar, wie sich die HRE an der Börse kotieren lassen konnte. Denn wie sich später herausstellte, bestand das Immobilienportfolio nicht wie beim Börsengang beteuert aus Gewerbe-, sondern zum grossen Teil aus überteuert finanzierten Wohnimmobilien, zumeist noch aus Zeiten der Hypobank. Diese Schrottimmobilien wurden später über die Vermittler der HRE an private Anleger auf Schnäppchenjagd weiterverkauft. Aus den vermuteten Schnäppchen sind heute horrende Schulden geworden. Das Desaster des Immobilienfinanzierers HRE war somit vorgezeichnet. Die sich jeder strategischen Logik entziehende Übernahme der Depfa Bank im Jahr 2007 hat das Siechtum der Bank noch beschleunigt. Die Vision der Bankmanager, aus der HRE Europas Immobilien- und Staatsfinanzierer Nummer eins zu machen, ist kläglich gescheitert. Die HRE ist heute der grösste Pflegefall in der deutschen Bankenlandschaft, und Berlin hat in dem Institut das Sagen. Auch beim Verkauf der Hypo-Vereinsbank (HVB) an die italienische Unicredit im Jahr 2005 wurden die Investoren an der Nase herumgeführt. Dass die deutsche HVB zu einer Landesgesellschaft degradiert wurde, war dabei noch das geringste Problem. Anstössig war vor allem der Preis. Denn die 12,5 Milliarden Euro, die UniCredit für die HVB bezahlt hat, entsprachen damals ungefähr dem Wert des Deutschlandgeschäfts. Das Osteuropageschäft war eine Zugabe. Während die Mailänder Banker heute die Profite einsammeln, lecken die verbliebenen Mitarbeiter in München ihre Wunden. Den Wert des Unternehmens zu steigern, dürfte der eigentliche Grund hinter der Übernahme der Dresdner Bank durch den Münchner Versicherer Allianz gewesen sein. Doch statt Vermögensmehrung fand eine gewaltige Geldvernichtung statt. Zwar konnte die Allianz ihr Bankabenteuer knapp vor der Finanzkrise beenden. Doch der Versicherer musste Zugeständnisse an die Commerzbank machen, welche die Dresdner übernimmt. Letztlich sind der Allianz aus dem 24 Milliarden-Euro-Engagement gerade noch rund fünf Milliarden verblieben. Die Münchner Vision eines integrierten Finanzdienstleisters war nicht von Erfolg gekrönt.
Politiker im Grössenwahn
Der Abstieg der Bayern LB hingegen ist weniger auf Managementfehler, als vielmehr auf Grössenwahn der Politiker zurückzuführen. Ähnlich wie die HRE wäre auch die Bayern LB längst pleite gewesen, wenn das Land der Bank keine finanziellen Beihilfen gewährt hätte. Keine andere Landesbank musste in der Krise mit so vielen Steuermilliarden gestützt werden wie die Bayern LB. Und keine andere hat mit Übernahmen im Ausland und Spekulationen auf dem US-Immobilienmarkt so viel Geld vernichtet. Die Verluste aus dem Verkauf der Hypo Alpe Adria fallen zwar nicht mehr gross ins Gewicht. Dennoch steht die Politik nach dem jüngsten Fiasko des Instituts, das 3,7 Milliarden Euro mit der Beteiligung an der Kärntner Landesbank Hypo Alpe Adria und Banken auf dem Balkan verloren hat, vor einem Scherbenhaufen. Ministerpräsident Horst Seehofer und seine inzwischen pensionierten Mitwisser wussten seit langem, dass die Bayern LB ein Sanierungsfall ist. Schon vor einem Jahr hätte das Institut den Haushalt des Freistaats beinahe im Alleingang ruiniert. Es brauchte eine Kapitalhilfe von 10 Milliarden Euro. Doch statt dass die Mängel angegangen wurden, wurden sie nur verwaltet. Die Erleichterung darüber, das Sorgenkind Hypo Alpe Adria – mit Mitgift zwar – an Österreich abgegeben zu haben, wird bald der Ernüchterung weichen. Denn die EU-Kommission wird ihre Zustimmung für weitere staatliche Hilfen von einer deutlichen Schrumpfung abhängig machen. Als Konsequenz daraus könnte die Landesbank zu einer Regionalbank zurechtgestutzt und zwischen den Sparkassen und der HVB zerrieben werden. Es ist davon auszugehen, dass, um dagegen vorzubeugen, der Plan einer grossen Südbank aus Stuttgarter LBBW und der Bayern LB wieder aus der Schublade geholt wird. Doch auch dann wäre der Finanzplatz München der Verlierer.
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