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Schweizer Bank vom 21.01.2010
Christian Santa, 31928 Zeichen
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Global Custody: Herausforderungen und Trends nach der Finanzkrise
 
Die Global-Custody-Kunden werden immer anspruchsvoller und verlangen eine umfassende Betreuung sowie auch neue Dienstleistungen. Nicht nur Institutionelle, sondern auch vermehrt grosse Privatkunden arbeiten mit Global Custodians.
 
Des Weiteren stellt der ständige Wandel auf den Finanzmärkten die Flexibilität der Custodians auf eine harte Probe. Es wird fortlaufend in noch aktuelleres und individuelleres Reporting und in
die Infrastruktur investiert. Der Trend geht klar in Richtung Core/Satellite. Dies stellt neue Anforderungen an die Compliance sowie an das Reporting.

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Schweizer Bank: Welche Trends prägen das Global Custody von der regulatorischen Seite her?

Frank Sikora: Regulatorische Veränderungen beeinflussen das Geschäft unserer Kunden direkt. Hier denke ich beispielsweise an die Veränderungen der BVV2-Richtlinien oder den Trend der Prozesszertifizierung bei den jeweiligen Lieferanten (Revisoren, Global Custodian, usw.). Des Weiteren gibt es Entwicklungen, welche Auswirkungen auf die Art und Weise haben, wie wir als Global Custodian unser Geschäft betreiben müssen. Ein Trend ist die zunehmende Zahl von Ländern, welche die Investitionsmöglichkeiten in ihren Märkten regulieren. Unsere weltweite Präsenz verschafft uns hierbei Zugriff auf lokales Know-how. Wir setzen speziell auf den engen Dialog mit unseren Kunden, um zeitnahe und bedarfsgerechte Lösungen zu bieten. Dies ermöglicht es uns, den Bedürfnissen unserer Kunden und des jeweiligen Regulators Rechnung zu tragen.

Constanze Lack: In den vergangenen zwölf Monaten haben wir speziell die folgenden Trends beobachtet: Die Compliance-Anforderungen haben immer mehr zugenommen. Auch sehen wir den Bedarf für ein integrales Reporting (externe Werte, alternative Anlagekategorien, Immobilien, usw.). Zusätzlich müssen im Bereich der Pensionskassen die revidierten BVV2-Richtlinien umgesetzt werden.

Gerhard Odermatt: Konkret wird die Rolle des Global Custodians in Zukunft noch wesentlich wichtiger werden, und wir erwarten eine Verstärkung der regulatorischen Auflagen. Diese Auflagen werden in Richtung erhöhter Eigenkapitalanforderungen, einwandfreier Organisationsform sowie Vermeidung von Interessenkonflikten zielen.

Daniel Eichenberger: Die Global Custodians werden sich verstärkt mit der Offenlegung von Investoren bzw. mit dem Führen von segregierten Kundenkonti in Ländern mit der sogenannten «beneficial ownership rule» befassen. Zudem werden im Rahmen der Quellensteuer-Rückforderungen die sich ändernden Doppelbesteuerungsabkommen mit anderen Ländern implementiert. Von Global Custodians wird zukünftig vermehrt eine umfassende Prüfung der Sorgfaltspflicht, eine kritische Auswahl und regelmässige Überwachung ihrer Sub-Custodians mit klarem Vorgehenskonzept bei festgestelltem Handlungsbedarf sowie ein proaktives Risk Management erwartet. Das Thema Transparenz im Zusammenhang mit den verrechneten Kosten und den «versteckten» Erträgen wird diejenigen Anbieter unter Druck bringen, die sich aktuell durch Quersubventionierungen finanzieren. Eine weitere Herausforderung wird auch die Umsetzung des neuen Bucheffektengesetzes (BEG) sein.

René Charrière: Global Custody ist auf eine Flut von Änderungen durch regulatorische Massnahmen eingestellt. Einige davon werden indirekt einfliessen. Darunter verstehe ich Regulierung, die unsere Kunden als Versicherungen, Pensionskassen, Asset Manager und Anlagefonds betreffen und wo ein wesentlicher Teil in der Wertschriftenadministration umgesetzt werden muss.
Zusätzlich gibt es noch einige Aufarbeitungen der Erfahrungen aus der Finanzkrise. Da, wo während der Krise Schwachstellen in der Industrie aufgetreten sind, sehen wir nun forcierte Bestrebungen der Aufsichtsbehörden und Regierungen, diese zu regeln. Die Rolle und Verantwortung eines Custodian bzw. einer Depotbank wurde im Fall Madoff zu einer Frage mit ganz neuen Aspekten. Hier besteht in den Bestrebungen nach Haftungserweiterungen für Depotbanken aus unserer Sicht weiterhin ein erhebliches Risiko für das bestehende Geschäftsmodell des Global Custodian. Ich bin aber überzeugt, dass bei dieser Debatte als positives Ergebnis die Anforderungen für alle Depotbanken auf das Niveau der grossen Spieler im Markt angehoben werden.
Der dritte und direkte Regulierungsschub betrifft die Zukunft der Fondsindustrie in Europa. UCITS IV soll bestehende Barrieren für eine länderübergreifende Fondsindustrie beseitigen und dadurch eine gemeinsame europäische Fondsindustrie schaffen. Als weltweit grösster Serviceprovider von Depotbank Dienstleistungen und Fondsbuchhaltung für Anlagefonds stehen wir hier im Zentrum der Veränderungen.
Die Asset-Management-Gesellschaften und Promotoren erstellen bereits detaillierte und tiefe Analysen, um optimale Strukturen für ihre Fondspaletten unter der neuen Regulierung zu erkennen und damit verbunden einen passenden Aufsatz für ihre Infrastruktur zu entwickeln. Um von dieser Innovation zu profitieren, führen wir viele Gespräche mit bestehenden und potenziellen Kunden, damit wir sie mit unserer Struktur bei der effizienten Neuausrichtung der Palette unterstützen können.
Patrik Frieden: Wir von unserer Seite merken zurzeit keine regulatorischen Einflüsse, die uns als Global Custodian direkt betreffen, indirekt jedoch schon. Auswirkungen sind insbesondere in zwei Gebieten spürbar. Wie bereits erwähnt sind es einerseits die neuen BVV2-Vorschriften, die zu Anpassungen im Reporting führten. Da erhalten unsere Kunden nun die Artikel 54 und 55 nach «alt» und zusätzlich Artikel 55 auch nach «neu» ausgewiesen. Zudem hatten diese Änderungen auch im Compliance Monitoring entsprechende Anpassungen der Überwachungsrichtlinien (Maximallimiten) zur Folge. Die zweite, wohl gewichtigere Auswirkung ist andererseits im Securities Lending zu vermerken. Die Mitteilung Nr. 104 vom März 2008 des BSV und insbesondere deren Stellungnahme 628 im Schreiben zur Umfrage bezüglich Unterdeckung vom Januar 2009 haben unsererseits dazu geführt, dass wir den gesamten Lending-Prozess neu strukturiert haben. Institutionelle Kunden nutzen Securities Lending nun ohne Ausnahme nur gegen entsprechende Sicherheiten (Collaterals). Das Lending Setup sowie das neue dazugehörige Vertragswerk wurden sowohl von Kunden als auch Consultants als führend und für die Kunden absolut erstklassig und vorteilhaft beurteilt.

Wie unterstützen Sie Ihre Kunden in Compliance Monitoring und Risk Management?

Charrière: Wir unterstützen unsere Kunden in der Tiefe der Leistungen je nach Anforderungen der Gesetze und Kundenwunsch. Zum Beispiel hat unsere Gruppengesellschaft Princeton Financial im Rahmen des Investment Compliance Monitoring eine Systemlösung, MIG21, die im schweizerischen Markt sicherlich führend ist. Wollen unsere Kunden weitergehen und diesen Prozess outsourcen, erstellen wir als State Street das Compliance Monitoring nach Vorgaben, was von einer Kontrolle der Anlagerichtlinien bis zu einem vollständigen Marktrisiko-Reporting gehen kann.
Im Hinblick auf Risikomanagement erreichen wir mit persönlicher Kommunikation am meisten Wertschöpfung. Die Aufgabe besteht darin bestehende und potenzielle Risiken zu erkennen. Als der zentrale Datenverwalter sind wir eine Schlüsselstelle und arbeiten für unsere Kunden nahtlos mit Rechtsexperten, Risiko- und Operations Managern zusammen.
Frieden: Mit dem Compliance Monitoring nutzen unsere Kunden unsere eigene Fonds-Infrastruktur, also eine ausgereifte, sehr sichere und dank Skaleneffekten kostengünstige Lösung. Der täglichen, automatisierten Kontrolle unterliegen zurzeit über 12 000 Kriterien, von ganz einfachen, wie dem Überwachen resp. Aufzeigen von aktiven/passiven Verletzungen von Mindestratings, bis zu den komplexen Überwachungen, wie z.B., wie viel die durchschnittliche «modified duration» von Bonds von der durchschnittlichen «modified duration» eines Indizes maximal abweichen darf. Im Risikomanagement sind unseren Kunden neben dem erwähnten Compliance Monitoring vielfältige Möglichkeiten gegeben, ihr Risiko zu monitoren resp. zu managen. Neben den standardmässigen Risikokennzahlen, die wir allen Kunden ohne Zusatzkosten zur Verfügung stellen, können z.B. Pensionskassen Asset-Liability-Analysen über die gesamte Pensionskasse ausarbeiten lassen, Risiko-Rendite-Analysen bis auf Titelstufe beziehen oder auch Ex-ante-Risikoschätzungen nutzen, um hier nur einige Beispiele zu nennen.

Eichenberger: Wir spüren, dass sich durch die Finanzkrise die Nachfrage nach zusätzlicher Überwachung verschiedenster Kriterien in letzter Zeit tendenziell verstärkt hat. Wir tragen diesem Bedürfnis Rechnung, indem wir die entsprechenden Produkte (Compliance Monitoring, Anlagereporting, Online Tool) permanent an den regulatorischen Anforderungen und Wünschen der Kunden ausrichten. Die Art der Kontrolle und Benachrichtigung sowie die Frequenz der Überwachungen können vom Kunden frei gewählt werden. Wir sind uns der Wichtigkeit bewusst, dass Investitionsrichtlinien richtig interpretiert, implementiert und überwacht werden. Dazu wurden z.B. im Anlagereporting Module wie Performance-Attribution, Peer-Group-Vergleich und verschiedenste Risikokennzahlen (auch ex-ante) permanent weiterentwickelt. Die Überwachung der Anlagen nach BVV2-Richtlinien (alt bis 2010 und neu) werden für Schweizer Pensionskassen in den Standardreports dargestellt. Wir räumen als Partner-Bank den Gegenparteirisiken höchste Priorität ein und teffen die Wahl in den verschiedenen Bereichen nach qualitativ fundierten, sehr selektiven Kriterien.

Odermatt: Mittels unseres eigens erstellten Portfoliomanagement-Systems sind wir in der Lage, sämtliche Auflagen abzubilden. Dies beinhaltet die rechtlichen und steuerlichen Restriktionen, wir gehen aber auch auf weitere individuelle Kundenbedürfnisse ein. Wir bieten unseren Kunden eine permanente Überwachung ihrer Aktiven und der damit verbundenen Risiken. Die Kundenportfolios werden dabei sowohl einzeln wie auch konsolidiert ausgewiesen und beinhalten sowohl deponierbare wie auch nicht deponierbare Werte (z.B. Private Equity, Immobilien). Die Entscheidungsträger verfügen mit diesen Grundlagen über optimale Voraussetzungen bei der Verwaltung ihres Vermögens.

Lack: Wir von unserer Seite bemerken zurzeit auch vermehrt eine sehr grosse Nachfrage nach Risiko- und Performanceberichten. In diesem Bereich zeigt es sich auch, wie wichtig es ist, dass der Global Custodian proaktiv mit dem Kunden zusammenarbeitet, um effiziente und für den Kunden massgeschneiderte Lösungen anbieten zu können. Wir investieren permanent in die Entwicklung von Risk Management und Compliance-Applikationen und in Zusammenarbeit mit unseren institutionellen Kunden werden die Anforderungen laufend neu definiert. Mittels des Links übers Online Tool können unsere Kunden die Reports jederzeit auswerten und die entsprechenden Massnahmen intern oder auch mit den externen Portfoliomanagern umsetzen.

Sikora: Mit unseren Reporting-Dienstleistungen bieten wir kundenindividuelle, umfangreiche und flexible Möglichkeiten, das Anlagereglement abzubilden und dessen Einhaltung zu prüfen. Nebst der Überwachung auf Positionsebene sind wir seit 2009 in der Lage, detaillierte Anlagevorschriften auf Transaktionsebene zu prüfen. Die zeitlich und örtlich unabhängige Prüfung der Einhaltung der Anlagerichtlinien mit Hilfe unserer Online Tools ist für unsere Kunden heute ein wichtiges Instrument, ihre Risiken zu monitoren. Durch eine kontinuierliche Ergänzung unserer Produkte unterstützen wir unsere Kunden beim Minimieren ihrer Investitionsrisiken. Nebst dem Ausweis der Investitionsrisiken halten wir es für sehr wichtig, die gesamten Risiken im Rahmen des Investitionsprozesses zu kontrollieren. Mit einer ständigen Überwachung des Depotstellennetzwerkes oder modernen elektronischen Handels- und Instruktionsplattformen werden die Abwicklungsrisiken unserer Kunden entsprechend minimiert.

Wie hat sich die Finanzkrise auf das Risiko-Rendite-Verhalten der Anleger ausgewirkt und wie verhält sich der Global Custodian jetzt in Bezug auf die Portfoliooptimierung?

Odermatt: Wir beobachten eine vermehrte Verwendung von passiven Finanzprodukten. Die Transparenz und die Kosten dieser Produkte werden dabei von den Anlegern stark beachtet. Im Weiteren werden seit der Finanzkrise unsere Dienstleistungen im Reportingbereich stärker in Anspruch genommen. Dabei geht es insbesondere um individuelle, dem Kundenbedürfnis angepasste Reportings. Häufig werden dabei vom gleichen Kunden mehrere Reportings verwendet, da nicht alle Benutzer die gleichen Bedürfnisse haben. Bei einer Pensionskasse zum Beispiel bestehen unterschiedliche Bedürfnisse zwischen einem Stiftungsrat und dem Verwalter der Pensionskasse. Die Zeit der unübersichtlichen und volumenstarken Standard Reportings ist definitiv vorbei. Qualität statt Quantität ist in diesem Bereich stark gefragt!

Eichenberger: Die Finanzkrise hat zudem bewirkt, dass sich die Anleger verstärkt mit dem Gegenparteirisiko befassen. Sie hinterfragen die Strukturen und Abläufe des Global Custodians und machen sich vertraut mit potenziellen Risiken oder dem vorhandenen Schutz im Zusammenhang mit ihrer Depotbank und der Art und Segregation ihrer verschiedenen Vermögenswerte. Insbesondere Aktivitäten im Zusammenhang mit der Wertschriften-Ausleihe, dem Collateral-Management, der Auswahl der Gegenparteien als auch die Möglichkeiten und Risiken der Liquiditätsbewirtschaftung wurden mit zunehmendem Ausmass der Finanzkrise in Frage gestellt. In Bezug auf die Portfoliooptimierung offerieren wir unseren Global Custody-Kunden dynamische Verwaltungslösungen für die Allokation der Anlagen und Fremdwährungen.

Sikora: Das Bedürfnis nach mehr Transparenz wurde durch die Finanzkrise bei unseren Kunden verstärkt. Vor allem Vermögensschutz, Standort und Sicherheit stehen seitdem im Mittelpunkt. Eine zunehmende Skepsis gegenüber «Black Boxes» ist spürbar. Darüber hinaus ist ein Trend zur Nutzung von Kollektivanlagen zur Abbildung von passiven Investmentstrategien auszumachen. Mit unserem «Fund Look-Through» bieten wir die Möglichkeit, neben unseren eigenen Fonds auch eine grosse Anzahl von Drittfonds aufzubrechen. Dies bedeutet, dass Kollektivanlagen durch die im Fonds gehaltenen Titel ersetzt werden. Gegenparteirisiken unserer Kunden werden durch die Abbildung von Emittenten bzw. Holdingstrukturen dargestellt. Das integrierte Geschäftsmodell ermöglicht, die Portfoliooptimierung in Bezug auf Strategie und Taktik durch Spezialisten aus diversen Bereichen der Bank vorzunehmen.

Charrière: Ganz allgemein formuliert waren wir erfreut, wie gut unsere Kunden in der Schweiz für die Krise gerüstet waren. Im Dialog mit unseren Kunden haben wir vor allem an Lösungen gearbeitet, um ihre Portfoliomanager noch besser zu kontrollieren und so Risiken oder Schwachstellen zu erkennen. Dabei wurden unsere Dienstleistungen im Bereich Bewertungen, Derivate und Collateral Management vermehrt nachgefragt.
Bezüglich der Portofoliooptimierung geht der Trend klar weiter in Richtung «Core/Satellite». Hier helfen wir unseren Kunden ausschliesslich bei der Kostenkontrolle.
Bei Benchmark-Änderungen oder Wechsel der Portoliomanager können wir mit einem erfahrenen Team «Transition Management» offerieren. Dabei produzieren wir aus einem bestehenden Portfolio über eine definierte Zeitperiode das Wunschportfolio. In dieser Zeit der «Transition» übernehmen wir das Management der Markt- und Settlement-Risiken sowie der Transaktionskosten bei der Anpassung.

Frieden: Aus dem durch uns quartalsweise publizierten Schweizer Pensionskassen-Index geht hervor, dass es Gewichtsverschiebungen in den Anlageklassen zugunsten der weniger volatilen (risikobehafteten) Anlagen wie Obligationen und insbesondere auch Immobilien und Liquidität gegeben hat. Diese Gewichtsverlagerung ist nicht nur infolge der Marktbewegungen zustande gekommen, sondern wurde aktiv von den institutionellen Investoren vorgenommen. Einige der so agierenden Anleger sahen sich vermutlich aufgrund der gesunkenen Deckungsgrade veranlasst, so zu handeln. Zur Portfoliooptimierung nutzen unsere Kunden vermehrt Report Consulting (Spezialreporting zur detaillierten Risiko-Rendite-Analyse).

Lack: Auf unserer Seite machen wir die Erfahrung, dass das Risikomanagement in der Krise deutlich an Bedeutung gewonnen hat. Das Risikoverhalten unserer institutionellen Anleger wurde in Bezug auf die Analyse der Gegenparteien grundsätzlich neu definiert. Eine weitere Veränderung haben wir im Bereich Securities Lending festgestellt – die Finanzkrise hat vorübergehend zu einem markanten Einbruch im Securities Lending geführt – einige Kunden haben ihre Securities-Lending-Verträge ausgesetzt oder sogar gekündigt. Zudem sehen wir im Zusammenhang mit Securities Lending, dass erhöhte Anforderungen an das Collateral Management gestellt werden sowie eine Verlagerung vom Principal zum Agenten-Modell. Weiter stellen wir fest, dass die Anlagen in strukturierten Produkten sowie Hedge Funds reduziert wurden. Ein weiterer Trend ist es, Transition Manager hinzuzuziehen, um die vorgegebenen Strategien umzusetzen.

Elektronisches Reporting: Welche Rolle spielen elektronische Plattformen heute im Reporting eines Global Custodian? Was gilt heute als State of the Art bei den Online Tools für Global-Custody-Kunden?

Lack: Hinsichtlich des elektronischen Reportings können zurzeit mehrere Tendenzen ausgemacht werden. Einerseits müssen neue Anforderungen seitens der Investoren in Bezug auf die Frequenz und die Datenqualität umgesetzt werden. Die Möglichkeiten, die ein statisches Reporting (basierend auf Papier oder PDF Dateien) bietet, gelten heutzutage als nicht mehr zeitgemäss. Vielmehr geht es darum, als Global Custodian unseren Kunden jederzeit Online-Zugang auf Daten im Zusammenhang mit der Performance, der Struktur sowie der Attributions- und Risikoanalyse zu geben. Zusätzlich ermöglichen wir dem Benutzer, eigenständige Analysen nach seinen internen Anforderungen zu erstellen.
Als Novum bieten wir seit diesem Jahr unseren Kunden ein neues Produkt an. Dabei handelt es sich um den DNA (Data Navigator Advanced) – eine dynamische und interaktive Web-Applikation für Performance und Portfolioanalysen.

Sikora: Unsere Kunden wollen jederzeit eine vollständige Transparenz über ihre Anlagen und die Investitionstätigkeit ihrer Asset Manager, unabhängig von ihrem jeweiligen Standort. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, sind elektronische Plattformen mit enorm hoher Datentiefe und -breite heute nicht mehr wegzudenken. Nebst der Analyse der Investitionen spielt auch der Investitionsprozess eine wesentliche Rolle. Bei der Investitionsanalyse legen auch unsere Kunden Wert auf flexible Auswertungsmöglichkeiten auf Basis von einwandfreien Daten. Unsere Online Tools stellen zeitlich unabhängige und präzise Informationen zu Rendite und Vermögen zur Verfügung. Nebst kundenindividuellen Auswertungsmöglichkeiten, Ad-hoc-Reports und Trans-aktionsanalysen kann auch die Möglichkeit der Berechnung von täglichen Renditezahlen als ein «State of the Art Offering» bezeichnet werden. Die Zurverfügungstellung von hochwertigen Datenfeeds, wie z.B. für Investment Controller, vervollständigen unser Angebot in diesem Bereich. Durch integrierte Lösungen zur Unterstützung des gesamten Investitionsprozesses schaffen wir Effizienz bei unseren Kunden.

Charrière: State of the Art ist heute vermutlich beinahe Gleichstand der Informationen bei uns und beim Kunden. Die Entwicklung ist so weit fortgeschritten, dass wir uns hauptsächlich Gedanken machen, dem Kunden diese Informationen «user friendly» zur Verfügung zu stellen. Da die Möglichkeiten heute so vielfältig geworden sind, besteht unsere Strategie seit einer geraumen Weile darin, mittels Schulungen und durch uns programmierte Reports sicherzustellen, dass der Kunde die für ihn relevanten Informationen aus dem System gewinnen kann.

Eichenberger: Ein Online-System soll dem Kunden ja mittels einfacher Navigation einen Gesamtüberblick über seine Vermögenswerte mit den für ihn relevanten Informationen bieten. Zur Abdeckung der unterschiedlichen Informationsbedürfnisse der Entscheidungsträger auf den verschiedenen Stufen gilt ein Online-Zugriff auf die Depot- und Kontodaten heute als Basis einer erfolgreichen Global-Custody-Partnerschaft. Unserer Ansicht nach bietet ein modernes System verschiedenste Abfragemöglichkeiten mit aktuellen Daten (z.T. real time) und deren Übernahme und Weiterverarbeitung auf der Benutzerseite. Es bietet zudem dem Benutzer die Möglichkeit, Reports selbst zu gestalten und zu produzieren.

Frieden: Kurz gesagt ist das elektronische Reporting für die institutionellen Anleger in der Zusammenarbeit mit dem Global Custodian vermutlich eines der wichtigsten Arbeitsmittel überhaupt. Entsprechend wird die Weiterentwicklung der Online Tools gewichtet. Unserer Ansicht nach gibt es ein Kriterium, wonach sich beurteilen lässt, ob die Qualität der Online Tools als State of the Art bezeichnet werden kann: Sie müssen die vielfältigen Bedürfnisse der Kunden optimal abdecken.

Odermatt: Die elektronischen Reportings haben bei Pensionskassen sowie bei Family Offices stark an Bedeutung gewonnen. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Umsetzung der strategischen Vorgaben sowie bei den taktischen Anpassungen der Vermögen. Die vollständige Integration der gesamten Wertschöpfungskette auf der gleichen Plattform ist dabei sehr wichtig. Dies beinhaltet die Simulation des Portfolios, die Auslösung und Ausführung der Börsenaufträge bis hin zum Monitoring der einzelnen Performance- und Risikokennzahlen sowie der Kontrolle der Anlagerichtlinien. Wichtig für den Gesamtüberblick und das Risikomanagement ist die dynamische Integration der nicht deponierten Vermögenswerte. Es handelt sich dabei um Vermögenswerte bei anderen Depotbanken sowie um nicht deponierbare Vermögenswerte wie zum Beispiel Private Equity, Immobilien, Hypotheken (z.B. bei Pensionskassen) oder Kunstsammlungen (z.B. bei Privatkunden). Die Kontrolle der Anlagerichtlinien beinhaltet dabei sowohl die gesetzlichen Vorschriften sowie individuelle Beschränkungen (z.B. nachhaltige Anlagen) und dies sowohl auf der Ebene der einzelnen und der konsolidierten Portfolios. Lombard Odier hat über die letzten Jahre eine solche komplett integrierte Lösung intern aufgebaut und konstant weiterentwickelt. Sie wird heute insbesondere von Pensionskassen und Family Offices erfolgreich verwendet.

Was sind Ihre hervorragenden Qualitäten als Global Custodian?

Frieden: Die herausragenden Qualitäten sind Commitment, Strategie und Kundenfokus. Die Geschäftsleitung betrachtet das Global Custody als strategisches Produkt bei der langfristigen Geschäftsentwicklung. Die Strategie wird konsequent umgesetzt und die dazu benötigten Investitionen werden dank der Finanzkraft und der strategischen Budgets zügig vorangetrieben. Und schliesslich verkaufen wir nicht Dienstleistungen und Produkte, sondern unsere Kunden nutzen vielmehr individuelle Gesamtlösungen, die sie selber definieren.

Charrière: Allgemein gesprochen, schaffen wir am meisten Wertschöpfung bei Cross-Border-Lösungen. Da wir an allen Standorten mit dem gleichen System arbeiten, können wir für unsere Kunden Lösungen für Pooling – virtuell oder via Masterfeeder – aufsetzen und ihnen so maximale Flexibilität bei der Auswahl der Fonds-Domizile oder Depotführung geben. Internationale Asset Manager können somit ihre Aktiven zentral managen, können aber Verwahrung und statutarischen Buchhaltung gemäss den lokalen Regeln einrichten.
Zudem ist unsere Produktepalette tief genug, um ein totales Outsourcing des gesamten Backoffice zu ermöglichen. Dennoch erlaubt es unser modularer Ansatz unseren Kunden, dass Sie aus unserem umfangreichen Produktangebot nur die Produkte auswählen, die für Ihre Anforderungen zum gegebenen Zeitpunkt sinnvoll sind. Dennoch haben Sie den Vorteil, dass bei komplexen Situationen oder bei Strategieänderungen ein Partner zur Verfügung steht, der dann weitere Kapazitäten und Expertise zur Verfügung stellen kann.

Lack: Bei der Auswahl des Global Custodians spielt die Sicherheit mit einem finanzstarken Partner zusammenzuarbeiten und das langfristige «Commitment» zu dem Global-Custody-Geschäft eine bedeutende Rolle. Das Global Custody gehört zu den strategischen Geschäftsfeldern der BNP-Paribas-Gruppe und durch diese Fokussierung haben wir die Möglichkeit, laufende Investitionen in IT-Systeme zu realisieren. Dank unserem umfassenden Netzwerk aus eigenen Niederlassungen, die als Depotstellen fungieren, sind wir in der Lage lokale Expertise, gepaart mit globaler Infrastruktur, anzubieten. Diese Struktur hat den Vorteil, dass das Portfolio eines europäischen institutionellen Investors in der Regel zu über 80 Prozent durch eigene Depotstellen von BNP Paribas Securities Services abgedeckt werden.

Sikora: Durch stabile Kundenbeziehungen, konstante Dienstleistungsqualität und permanente Weiterentwicklung unseres Produktes haben wir es geschafft, unsere Kundenbasis weiter auszubauen. Jeder GC-Kunde hat einen Global Custody Relationship Manager, welcher in engem Dialog mit ihm steht und als zentraler Ansprechpartner für alle Global-Custody-relevanten Fragen zur Verfügung steht. Unsere Kunden können auf ein State-of-the-Art-Produkt zurückgreifen und profitieren vom Wissen und der Erfahrung unserer Mitarbeiter.Global Custody ist für die UBS AG ein strategisches Produkt. Das integrierte Geschäftsmodell erlaubt uns kundenindividuell Spezialisten aus allen Bereichen (Direct Access, ETD Trading, Fondskonzepte usw.) zu Rate zu ziehen und deren Produkte in das Global Custody Offering einzubinden. Organisatorisch ist Global Custody innerhalb von Operations angesiedelt. Dadurch haben wir sämtliches Know-how «inhouse» gebündelt.

Odermatt: Wir bieten im Bereich des persönlich zugeschnittenen Reportings Lösungen an, welche genau auf die individuellen Bedürfnisse der einzelnen Kunden zugeschnitten werden. Dabei gehen wir nicht von einem Standard Reporting aus, sondern analysieren zusammen mit dem Kunden seine Bedürfnisse und setzen diese dann in einem persönlich zugeschnittenen Reporting um. Diese Reportings umfassen das gesamte Vermögen, einzelne Mandate, die einzelnen Anlageklassen (Aktien, Obligationen usw.) sowie spezifische Analysen, wie z.B. Vergleiche zwischen mehreren Vermögensverwaltern oder Kostenanalysen.
Als weitere Stärke unseres Hauses darf unser Portfolio-Management-System G2 erwähnt werden. Lombard Odier bietet hier eine technologische Infrastruktur der Spitzenklasse. Sie wird von allen unseren Kundensegmenten verwendet und geniesst insbesondere bei den unabhängigen Vermögensverwaltern und unseren Global-Custody-Kunden einen sehr guten Ruf.

Eichenberger: Wir setzen auf individuelle und kostentransparente Gesamtlösungen mit einer hohen Datenqualität und einer kontinuierlich und langfristig ausgerichteten Weiterentwicklung der Technologie. Daraus resultierend können unsere Kunden unter anderem von State-of-the-Art-Reportinglösungen sowie von einer hochwertigen Online-Plattform profitieren. Unser Betreuungskonzept basiert auf einem direkten Dialog der verschiedenen Interessengruppen mit einem direkten Ansprechpartner, sowohl auf der Kundenseite wie auch auf Seite der Vermögensverwalter. Wir verfolgen ein langfristig orientiertes Geschäftsmodell ohne Zwang zu Eigenprodukten («open platform»). All dies, verbunden mit der Unabhängigkeit und Sicherheit der Bank und dem starken Commitment zum Global-Custody-Geschäft, spricht für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit ohne Interessenkonflikt.

Wie entwickelt sich das Geschäft mit grossen Privatkunden?

Eichenberger: Das Interesse von sehr vermögenden Privatpersonen und Family Offices an unseren Global-Custody-Dienstleistungen erfreut sich seit Jahren wachsender Beliebtheit. Die für dieses Kundensegment verwalteten Vermögen machen rund die Hälfte der gesamten Vermögen unter Global Custody aus. Aus diesem Grund hat sich das Management letztes Jahr entschieden, das Global-Custody-Team in die beiden Bereiche Private Wealth Management und institutionelle Investoren aufzuteilen.

Odermatt: In diesem Kundensegment besteht sicher noch ein grosses Potenzial. In letzter Zeit haben wir ein verstärktes Interesse im Bereich globales Reporting aus diesem Kundensegment festgestellt.

Lack: Es ist eine Tatsache, dass sehr vermögende Privatkunden (Family Offices) grossen Wert auf eine individuelle Betreuung und absolute Diskretion legen. Mit erster Priorität muss die umfassende Beratung gewährleistet werden.
Im Tagesgeschäft mit diesem Kundensegment stellen wir fest, dass die Anforderungen an den Global Custodian zum Teil anspruchsvoller als für einen institutionellen Kunden sind. Diese komplexen Herausforderungen können wir mit unseren massgeschneiderten Lösungen erfüllen.
Frieden: Wir stellen auch fest, dass vermögende Privatkunden vermehrt das Global Custody und insbesondere die Reporting-Dienstleistungen nutzen wollen. Das Geschäft mit den vermögenden Privatkunden entwickelt sich entsprechend erfreulich.

Sikora: Wie schon vorhin von anderen Marktteilnehmern bereits bestätigt, ist das Geschäft mit grossen Privatkunden nach wie vor ein Wachstumsmarkt, in welchem wir unsere führende Position ausbauen wollen. Die Finanzkrise fördert auch in diesem Segment den Bedarf nach schneller Information und Transparenz. Aus diesem Grund gewinnt Global Custody bei grossen Privatkunden zunehmend an Bedeutung. Da für private Investoren deutlich weniger Investitionsrestriktionen bestehen, kann dieses Segment als Entwicklungstreiber bezeichnet werden.

Charrière: Wir bedienen gemäss Strategie nur institutionelle Kunden. Einzig für grosse Stiftungen und durch sogenannte Family Offices geführte Firmen offerieren wir die gleichen Dienstleistungen wie für institutionelle Anleger. Für die Verwaltung von solchen grossen Vermögen sind die Bedürfnisse und Anforderungen auf dem gleichen professionellen Niveau anderer institutioneller Anleger mit einer Tendenz für spezielle Anforderungen im Bereich «private equity

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Gesprächsteilnehmer:

René Charrière ist Senior Vice President und Managing Director der State Street Bank in Zürich. In dieser Funktion leitet er seit 2006 den Geschäftsbereich Investmentdienstleistungen in der Schweiz. Er verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung im Finanzbereich.

Daniel Eichenberger ist seit acht Jahren bei Pictet & Cie. Als Vice President und Senior Client Relationship Manager leitet er das Team Pictet Custody Services in Zürich mit Fokus auf institutionelle Kunden in der Schweiz. Er verfügt über 30 Jahre Erfahrung im Finanzbereich.

Patrik Frieden, tätig für die Credit Suisse seit 2002, Leiter Global Custody Solutions, und ist verantwortlich für die Weiterentwicklung des Global-Custody-Geschäfts. Zuvor arbeitete er in verschiedenen Führungsfunktionen bei der SegaInterSettle, der schweizerischen zentralen Wertpapierverwahrstelle.

Constanze Lack ist Leiterin des Sales & Relationship Management Teams für institutionelle Investoren in der Schweiz bei BNP Paribas Securities Services Zürich. Frau Lack ist seit über 15 Jahren in der Securities-Services-Industrie tätig. Bevor sie im Jahre 2008 zu BNP Paribas Securities Services stiess, arbeitete sie in ähnlichen Funktionen bei ABN AMRO und Citibank.

Gerhard Odermatt, mit 30 Jahre Erfahrung im Finanzbereich, ist seit 1994 bei Lombard Odier Darier Hentsch & Cie tätig und ist verantwortlich als Direktor für den Bereich Global Custody Business Development.

Frank Sikora ist Relationship Manager Global Custody bei UBS AG. Er ist seit über acht Jahren bei UBS Global Custody in unterschiedlichen Funktionen tätig. Als Teamleiter ist er mit seinem Team verantwortlich für die Betreuung institutioneller Kunden, vornehmlich Pensionskassen, aus der Deutschschweiz

 
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