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Schweizer Bank vom 22.02.2010
Matthias Niklowitz, 6940 Zeichen
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Basel-III-Vorschläge für Bankbilanzen: Ernüchternde Aussichten für UBS und CS
 
Wenn die jüngsten Vorschläge des Basler Bankenkomitees durchkommen, verringern sich die optisch komfortablen Kapitalpolster der beiden Grossbanken drastisch und die Bilanzsummen wachsen stark.
 
Es war kurz vor Weihnachten, als das Basler Bankenkomitee seine Vorschläge zur Neuregulierung von Bilanzrisiken veröffentlichte. Offenbar waren die meisten Analysten und Finanzjournalisten in Gedanken bereits beim Christbaum bzw. noch beim Weihnachtseinkauf. Erst mit einem Monat Verzögerung haben Analysten die jüngsten Vorschläge des Bankenkomitees durchgerechnet.

Sie betreffen die beiden Schweizer Grossbanken besonders stark, unter anderem, weil sich hier eine Kluft auftut zwischen den bisher immer wieder publizierten Werten zur soliden Kapitalisierung und den Verhältnissen,
wie sie ab dem 1. Januar 2011 – dem voraussichtlichen Stichtag für die neuen Basler Vorschriften – herrschen könnten.
Gegenüber dem Basel-2-Rahmenwerk, das seinerseits das Produkt einer jahrelangen Debatte war und in der Finanzkrise grosse Schwächen gezeigt hatte (die Investmentbank Lehman Bros. hatte fünf Tage vor dem Kollaps noch ein Tier-1-Kapitalverhältnis nach Basel 2 von 11 Prozent ausgewiesen), enthalten die jüngsten Vorschläge drei wichtige Änderungen: So werden die Regeln für die risikogewichteten Vermögenswerte modifiziert, das Kapital- und Kernkapitalverhältnis wird enger gefasst. Zudem wird neu ein Mindest-Leverage-Verhältnis (Verhältnis von Eigen- zu Fremdkapital) festgelegt. Einige Analysten haben diese neuen Vorschläge auf die Bilanzen der beiden Schweizer Grossbanken umgelegt – und sie kommen alle zu ernüchternden Ergebnissen.
Zunächst zum Eigenkapital. Hier ändert sich im Zuge der Bankenregulierungsdebatte etwas die Aussagekraft, weil bei diesem etwas weicheren Massstab auch Hybridkapital in die Kalkulation der Summe des Eigenkapitals einfliesst. Die Analysten der Bank Vontobel beispielsweise erwarten, dass bei zukünftigen Kapitalquotenberechnungen vom gesamten Kapital das Hybridkapital, aufgeschobene Steuergutschriften, Aktienbeteiligungen von anderen Finanzinstituten von mehr als 10 Prozent und Pensionskassendefizite abgezogen werden. Erst auf dieser Basis lässt sich dann eine für alle Banken vergleichbare Leverage Ratio berechnen. Dabei kommen die Schweizer Privatbanken laut der Vontobel-Studie auf Werte zwischen 2,9 und 5,9 Prozent, die Retailbanken liegen zwischen 4 und 7,9 Prozent. Bis Ende 2012 sollen laut den Vorschlägen der US-Notenbank Fed 5 Prozent erreicht werden.

Drei Jahre lang kaum Dividende

Hier liegt die Herausforderung für die Grossbanken, trotz der optisch vorteilhaften Kapital- und Kernkapitalquoten: Wenn sie die 5-Prozent-Marke bei der Leverage Ratio bis 2012 erreichen möchten, benötigt die UBS laut den Schätzungen der Vontobel-Analysten für die kommenden drei Jahre mindestens 22 Milliarden Franken, die Credit Suisse 18 Milliarden Franken zusätzliches Eigenkapital. Für die UBS erwarten die Analysten in diesem Zeitraum kumulierte Gewinne von 26,4 Milliarden Franken, für die Credit Suisse 23,7 Milliarden Franken. Beide Banken kommen damit nicht umhin, einen Grossteil des Gewinns für den Kapitalaufbau einzusetzen, womit bei beiden die Möglichkeit grösserer Dividendenausschüttungen verbaut ist.
Die Analysten von Exane haben zudem die Kernkapitalverhältnisse beider Grossbanken unter den Bedingungen der jüngsten Regulierungsvorschläge durchkalkuliert. Die hohen Kapitalverhältnisse bei den beiden Banken lösen sich fast auf – es verbleiben für das Tier-1-Kapitalverhältnis bei der Credit Suisse knapp 8 Prozent, bei der UBS 4,6 Prozent.
Das absolute Minimum für Banken liegt hier bei 8 Prozent, der von der Finma vorgeschlagene «Swiss Finish» sieht 10 Prozent vor, und hier sollte auch noch ein Puffer hinzukommen, der in Krisen die Wirkung von Abschreibern auf der Aktivseite der Bilanzen abfedert. Sollen die beiden Grossbanken also bis 2012 eine Leverage Ratio von 5 Prozent erreichen, werden sie wohl nicht nur Dividenden kürzen, sondern auch auf der Gehaltsseite (Boni) sparen müssen. Eine weitere Kapitalerhöhung befürchten die Analysten hingegen nicht.

Massiv verlängerte Bilanzen

«Das schockierendste Detail des Basler Komitees war indes, dass man Derivate und Repos nicht mehr für die Leverage-Verhältnisse gegeneinander verrechnen kann», kommentieren die Exane-Analysten. Die US-Rechnungslegung US-Gaap erlaubt ein solches «netting», das in Europa verbreitete Regelwerk IFRS hingegen nicht. Allein dadurch erklären sich einige Unterschiede bei der Kapitalisierung von amerikanischen und europäischen Banken. «Und noch schlimmer – der durch CDS verkaufte Kreditschutz soll zum Nominalwert in den Bilanzen ausgewiesen werden.»
CDS sind die bekannteste Form von Kreditderivaten. Bei diesen wird der Schutz vor Pleiten eines Schuldners verkauft. Die halbwegs standardisierten Kontrakte drücken den Preis in Form von Risikoaufschlägen bei einer 10-Millionen-Tranche aus: Ein Credit Default Spread von 100 bedeutet, dass eine Versicherung einer 10-Millionen-Tranche 100 000 Dollar kostet (1 Prozent des zu versichernden Wertes). Aus der Sicht eines Käufers einer solchen Schutzpolice braucht lediglich dieser Betrag bilanziert und zu den Bilanzstichtagen jeweils angepasst zu werden. Aus der Sicht eines Verkäufers könnten 10 Millionen fällig werden, wenn der Schuldner pleitegeht. Bisher brauchte auch der Verkäufer von
Kreditschutz lediglich den Wert des Schutzes auszuweisen und mit 100 Prozent Kapital zu unterlegen. Gemäss dem «Basel-3»-Vorschlag müsste der ganze im Pleitefall mögliche Nennwert in die Bilanz einfliessen.
Hier können bereits kleine Ausfälle verheerende Wirkungen entfalten. Swiss Re geriet in arge Probleme, als zwei Kreditversicherungskontrakte platzten und Vermögenswerte, die weniger als 1 Prozent der Bilanzsumme ausmachten, ausfielen. Und wenn bei AIG nicht der Staat mit 160 Milliarden Dollar eingesprungen wäre, hätten die rasch erforderlichen Mittel sämtliche US-Grossbanken und viele europäische Institute in die Pleite getrieben.
Durch den logischen Einschluss der Kreditderivate verlängern sich die Bilanzen der Credit Suisse und der UBS. Zudem werden dadurch die Kapital- und Kernkapitalquotenberechnungen noch diffiziler. Bei der Credit Suisse würden allein die verkauften CDS die Bilanz um 1270 Milliarden Franken verlängern, bei der UBS um 1320 Milliarden Franken. Inklusive weiterer nicht mehr verrechenbarer Posten würde sich die Bilanz der Credit Suisse auf gut 3,336 Milliarden Franken verdreifachen, die der UBS auf 2,797 Milliarden Franken verdoppeln. Die Banken können diese Problematik etwas entschärfen, wenn sie ihre Over-the-Counter-CDS-Papiere nur noch über Börsen abwickeln, um wenigstens das Gegenpartei-Risiko zu verringern.

Weniger als 1 Prozent Leverage

Wenn man die CDS in die Leverage-Verhältnisse einbezieht, schrumpfen die Werte wie Frühlingsschnee an der Sonne: Für die Credit Suisse kommen die Exane-Analysten noch auf 0,63 Prozent, für die UBS auf 0,47. Zur Erinnerung: Die Regulatoren in den USA drängen hier auf 5 Prozent.

 
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