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Schweizer Bank vom 22.02.2010 Unbekannt, 6925 Zeichen |
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| London: Bonus-Krieg ist noch lange nicht beendet |
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| Die bevorstehenden britischen Unterhauswahlen dürften der Debatte um Banker-Boni in London kein Ende setzen. Auffallend ist dabei die Arroganz der Banken. |
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In London gibt es harte Kämpfe um die Bonus-Zahlungen. Für die einen, nämlich die Bonus-Empfänger, geht es um viel Geld. Gut 5000 Banker kassieren in der ersten Jahreshälfte 2010 jeweils mehr als eine Million Pfund an Bonus. Unabhängig davon, wie viel Geld tatsächlich sofort ausgezahlt wird, leben viele Betriebe von diesen Bonuszahlungen. Das beginnt bei den Autohändlern mit Edelmarken und reicht über Yachtbauer und den Einzelhandel in Luxusgütern bis hin zu Immobilienmaklern im oberen Marktsegment.
Hilfstruppen auf beiden Seiten
Die Banker können darum umfangreiche Hilfstruppen für die öffentliche Diskussion über die Bonuszahlungen mobilisieren. Auf der Gegenseite stehen all jene, die keinerlei Boni kassieren können und erregt auf die Ausschüttungen der Banken und Wertpapierhäuser reagieren – und ebenfalls Politiker mobilisieren. Die Politiker wiederum haben vermeintlich handfeste Gründe, die Bonus-Diskussion anzuheizen. Zum einen mussten sie vor weniger als 18 Monaten den Banken mit gewaltigen Summen zu Hilfe kommen. Alles in allem hat das die britische Regierung und die Bank von England mehr als 170 Milliarden Pfund gekostet. Dass davon einiges schon wieder mit Zins und Zinseszins hereingekommen ist und das meiste längerfristig auch noch hereinkommen wird, steht auf einem andern Blatt. Zunächst einmal ist für die Politiker im Wahlfrühjahr wichtig, all die Hilfestellungen hervorzuheben und damit die unumgänglichen Steuererhöhungen und Leistungseinschränkungen der öffentlichen Hand zu erklären. Da lag es natürlich nahe, zum einen den Spitzensteuersatz pro Person (nicht pro Familie), bei Einkommen über 150 000 Pfund im Jahr, von bisher 40 auf 50 Prozent zu erhöhen. Zugleich konnten die regierenden Politiker des Beifalls der Öffentlichkeit sicher sein, als sie eine Sondersteuer von 50 Prozent auf die Bonuszahlungen erhoben – zahlbar von der Bank, die den Bonus ausschüttet. Während die Medien ganz überwiegend den erwarteten Beifall spendeten, haben die Banken wie auch die potenziellen Bonus-Empfänger denkbar unglücklich reagiert. Wenn Lloyd Blankfein, der Chairman von Goldman Sachs, davon spricht, dass die Bank und er Gottes Werk täten, dann ist das zweifellos etwas hochstilisiert. Daraufhin hat die «Financial Times» einen Leserbrief veröffentlicht, dessen Schreiber dafür plädiert, dass Goldman Sachs nun auch direkt Gott helfe und 100 Millionen Pfund im Jahr für die Renovierung von Kathedralen im Königreich stiften solle.
Keiner erklärt die Gehälter
Schwerwiegendere Folgen hat allerdings, dass so gut wie kein Banker den Versuch machte, die Notwendigkeit bestimmter finanzieller Anreize verständlich zu erklären. Das wäre umso wichtiger, als ein Teil der Bonus-Ausschüttungen keineswegs horrende Gewinne honoriert, sondern die Empfänger vielmehr für die erfolgreiche Reduktion von Verlusten in ihrer Sparte belohnt. Stattdessen verharrten die allermeisten hochrangigen Banker auf ihren hohen Rössern und erklärten der erbosten Öffentlichkeit, das sei schon alles so in Ordnung mit den Boni. Bei dieser Art von Demagogie haben die Banker allerdings ausser Acht gelassen, dass nicht nur die regierende Labour Party gegen überzogene Bonus-Zahlungen zu Felde zieht. Sowohl die konservative Opposition als auch die Liberalen, die an dritter Stelle gemessen an der Zahl der Parlamentsabgeordneten stehen, kämpfen genauso gegen das Bonus-Unwesen wie Labour. Das aber bedeutet, dass mit dem Wahltag keineswegs auch die Bonus-Debatte schnell vorüber ist. Sonderlich schlau sind auch jene Spielchen nicht, mit denen einige wenige Banken spitzfindig die Chance nutzen, den Bonustermin so zu setzen, dass die Steuerpflicht haarscharf umgangen wird. Das mag die Steuerabteilung zu Jubel verleiten. Eine Lösung des Bonus-Problems ist das jedenfalls nicht. Es kann keinen Zweifel geben, dass die Bank-Salärordnung geändert werden muss. Wahrscheinlich wird dies auf einen höheren Anteil von Fixlöhnen am Gesamtgehalt hinauslaufen (bei wahrscheinlich gleich hoher Gehaltssumme). Neu geregelt werden müsste auch, welcher Anteil am Bonus sofort ausgezahlt werden darf und welcher erst mit Verzögerung. Schliesslich soll mit diesen Zahlungen ein nachhaltiger Erfolg belohnt werden.
Politik hat noch nichts erreicht
Die Druckversuche der Politiker in eine solche Richtung haben allerdings bisher nichts bewirkt. Der Grund: Höchstens bei Banken, die krisenhilfebedingt jetzt mehrheitlich in staatlichem Besitz stehen, könnte die Regierung kurzfristig Bonus-Begrenzungen erzwingen. Bei allen inländischen Banken, die keine Hilfe angenommen haben, schlägt das fehl. Und total ins Leere ginge jeder Versuch, auch ausländische Institute unter Druck zu setzen. Aber auch da haben viele Banken, Hedge Funds und Wertpapierhäuser in der Abwehr unglücklich operiert, indem sie mit Abwanderung drohten. Natürlich kann das eine oder andere Haus nach Dublin oder Genf umziehen. Dabei geht es allerdings nur um ein paar hundert hochrangige Banker, die das dann tatsächlich tun. Viele Studien kommen dagegen zu dem Ergebnis, dass die Zahl der am Londoner Finanzmarkt Beschäftigten im zweiten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts vermutlich um 100 000 steigen wird.
Drang nach London ungebrochen
Als Erklärung dafür gilt in erster Linie der gewaltige Bedarf an Finanzmarktdienstleistungen, der aus den aufstrebenden Grossmächten Brasilien, Russland, Indien und China kommt und den sie wohl in London decken werden. Ohnehin sind hier durch die Finanzmarktkrise weit weniger Arbeitsplätze verloren gegangen als anfangs prognostiziert worden war. Was durch Lehman Brothers wegfiel, nahm überwiegend Nomura auf. Die Vorbereitungen zum Aufbau neuer Banken sind vielfach weit fortgeschritten. Und es ist davon auszugehen, dass auffällig hohe Steuersätze nicht von Dauer sein werden. Die Konservativen haben das schon angekündigt. Labour würde im Falle eines Wahlsieges vermutlich bald in die gleiche Richtung tendieren. Denn über den Wert der City für das Land sind sich die Politiker aller Couleur einig. Zwei meist recht starke Kämpfer sind im Bonuskrieg bisher allerdings im Abseits geblieben. Das ist zum einen die Bank von England. Hier dürfte eine grosse Rolle spielen, dass die Zentralbank viele der Hilfestellungen selbst gegeben hat und sie selbst auch schon einen grossen Teil der Rückflüsse kassiert hat. Deshalb scheint keine Neigung zu bestehen, sich in die Kämpfe einzumischen.
FSA mit gebundenen Händen
Anders sieht es beim Regulator, der Financial Services Authority (FSA) aus. Diese Behörde lässt meist keinen Kampf aus. Dass sie jetzt nicht eingreift, dürfte den Grund haben, dass die FSA selbst hohe Boni zahlt – speziell an jene zahlreichen Banker, die sie in der City zur Kontrolle der Finanzmarktunternehmen abgeworben hat. Ohne Bonuszusagen wären sie kaum gekommen. So sind der FSA jetzt die Hände gebunden.
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